Ein Mal im Monat präsentieren wir im Monthly Dreizeiler, was uns in letzter Zeit inspiriert hat, was uns geschockt hat oder auch augenöffnend war.

Klimawende von unten:
Da geht was in Flensburg

Island trägt Gletscher zu Grabe, die brasilianischen Amazonas-Gebiete brennen und Trump möchte Grönland kaufen – sicher nicht, um den Amerikaner*innen neue Urlaubsmöglichkeiten zu bieten, wohl eher, um an die Bodenschätzung unter dem Eis zu kommen. Die durch die immer weiter steigenden Temperaturen freigelegt werden.

Das alles könnte verzweifeln lassen oder dazu anregen, selbst was zu tun: In Flensburg nehmen sich die Bürgerinnen und Bürger persönlich dem Klimawandel an. Sie wollen nicht mehr auf Lösungen von oben warten. Während die Bundesregierung weiterhin einen Eiertanz um wirksame Klimagesetze aufführt, nehmen immer mehr Städte und Gemeinden die Sache selbst in die Hand. Durch Bürger*innenbegehren nehmen sie Einfluss auf den Klimaschutz und zwingen so die Stadträte zum Handeln: Klimawende von unten ist das Motto. So auch der Titel der Kampagne, die gemeinsam von BürgerBegehren Klimaschutz e.V., dem Umweltinstitut München e.V. und Mehr Demokratie e.V. durchgeführt wird. In München wurde bereits erfolgreich ein Bürger*innenbegehren zum Ausstieg aus der Steinkohle durchgeführt und auch in Berlin haben sich die Bürger*innen die Stromversorgung zurückgeholt. Inzwischen bietet das Stromnetz der Berliner Stadtwerke zu 100% Ökostrom.

hier gehts zur Seite der Bewegung: klimawende

Bestrebungen für ein fossilfreies Flensburg gibt es schon länger. Nun wurde mit dem Workshop Klimawende von unten der Auftakt gemacht, um ein breites Bündnis zu schmieden, dass die Stadtwerke auffordert, Schluss mit der Kohleverbrennung zu machen. Veranstaltet vom Verein Menschlichkeit leben e.V. fand am Mittwoch, dem 21. August  in der Mensa der Ostseeschule ein erstes Zusammentreffen statt. Mit dem Rückenwind der Fridays for Future-Bewegung fanden sich um die 50 Interessierte ein, um zusammen über eine kohle- und CO²-freie Stadt Flensburg zu diskutieren.

Anfangs stellte Eric Häublein vom BürgerBegehren Klimaschutz e.V. das Prinzip von Volks- und Bürger*innenbegehren noch einmal vor. Philipp Austermann, langjähriger Aktivist im Bereich Klimagerechtigkeit und Unterstützer von Fridays For Future, präsentierte die Geschichte und Gegenwart der Stadtwerke Flensburg, die zu 100% in Bürger*innenhand sind. Diskutiert wurde ein schneller Kohleausstieg und eine mögliche Verhinderung des Neubaus Kessel 13. Die geplante Kraft-Wärme-Kopplungsanlage würde die Stadt weitere Jahrzehnte an Erdgas binden. Zudem ging es um mehr Förderung von Photovoltaikanlagen und die Nutzung von Wasserkraftstoff.

Der Workshop war nur der Anfang, denn das Bündnis für ein klimafreundliches Flensburg ist gerade erst im Aufbau! 

Wenn du mehr zu Bürgerbegehren im Klimaschutz wissen willst oder dich einbringen möchtest: www.klimawende.org

Wenn dich das Programm vom ersten Treffen interessiert oder wenn du direkt mit der Klimawandel von unten-Initiative in Flensburg in Kontakt treten willst: http://menschlichkeit-leben.de/. Wenn du dich mit Fridays for Future solidarisieren willst: Am 20. September ist weltweiter Klimastreik!

— Lisa

Alternatives Flensburg im September

Wie Lisa schon geschrieben hat: Die Flensburger Bürger*innen gestalten ihre Stadt, mit einem kritischen Bewusstsein und gleichzeitig viel Liebe für den Ort, an dem wir wohnen. – Im September, finde ich, ist besonders viel Spannendes los, deswegen gibt es von mir diesen Monat keinen Rück- sondern einen Ausblick darauf, welche Veranstaltungen schleunigst in eure Terminkalender eingetragen werden sollten.

Erstens: Norderstraßenfest 

Die Norderstraße ist bekanntermaßen die absolute Lieblingsstraße der Redaktion. Es ist dort immer schön – noch besser wird es wohl nur zum jährlichen Norderstraßenfest. In den letzten beiden Jahren konnte ich nicht dabei sein, deshalb freue ich mich dieses Mal besonders auf den 01. September

“Veranstalter” ist das Forum Hafenquartier, aber das Straßenfest lebt vor allem davon, dass alles selbstorganisiert, unkompliziert und unkommerziell ist. Deswegen gibt es auch gar kein festes Programm.  Diejenigen Menschen, die sich dem Quartier zugehörig fühlen, begeben sich auf die Bürger*innensteige – ausgestattet mit Kissen, Hockern, Decken, Geschirr und viel Kreativität. Zwischen 10 und 16 Uhr wird viel Zeit (siehe Lauras und Maries MDZ-Beitrag!) sein für einen oder zehn Schnacks, ein oder zehn Stücke Kuchen, Sonne und Schminke im Gesicht und natürlich Musik. Auf dem Nordertorplatz werden Bands auftreten und auch sonst geschieht bestimmt so einiges.

Sonntag, 01. September, 10–16 Uhr 

Zweitens: Alternative Stadtrundgänge

Passend zum Studienstart an der Universität in Flensburg gibt es für alle Transformationsstudierenden und alle anderen Interessierten, einen alternativen Stadtrundgang. Links liegen gelassen werden klassische Touristenziele und Billobars, stattdessen geht es um Orte der innerstädtischen Gemeinschaft, des ethischeren Konsums und des (Aus)tauschens. 

Organisiert wird das Ganze vom Transformativen Denk- und Machwerk und von Sneep Flensburg. – Ich bin mir sicher, wenn viele kommen, gibt es Nachfolgeveranstaltungen. Und ich bin mir auch sicher, dass wir die gut gebrauchen können, in einer Stadt, die meint, sich damit rühmen zu müssen, die längste (kommerzielle) Fußgängerzone Norddeutschlands zu haben. Zwei Fragen tauchen da sofort bei mir auf. – A: Wo fängt genau Norddeutschland an? Und B: Warum sollte man damit bitte prahlen? Flensburg kann viel mehr. 

Montag, 09. September, 14–16 Uhr
Mittwoch, 11. September, 14–16 Uhr 

Um Anmeldung unter vorstand@transformwerk.org wird gebeten. Treffpunkte bei beiden Terminen ist der Unigarten (neben dem OSL und HEL-Gebäude, nicht zu verfehlen). Die Rundgänge enden in der Norderstraße – wo auch sonst?

Drittens: Postkoloniale Stadtrundgänge

Mein dritter ‘Veranstaltungshinweis’ ist nicht so recht neu, sondern eher ein kleiner Reminder. Schon im letzten Monthly Dreizeiler habe ich darauf hingewiesen und ausführlicher berichtet: Im September gibt es nämlich gleich noch drei weitere tolle Stadtrundgänge. Auch diese sind gewissermaßen alternativ. Sie legen den Fokus vor allem auf eine neue Erzählung der Flensburger Stadtgeschichte. Denn die ist eng mit Rumhandel und Sklaverei verbunden – ein Kapitel, das nicht selten unterschlagen oder positiv umgemünzt wird. 

Mehr Informationen findet ihr, wie gesagt, im MDZ vom Juli. Ich bin ganz traurig, dass ich zu keinem der Termine kann, aber total gespannt auf Berichte von Teilnehmer*innen. 

Dienstag, 03. September, 17 Uhr
Sonntag, 15. September, 14 Uhr
Samstag, 21. September, 14 Uhr

Auch hier wird um Anmeldung unter flensburgpostkolonial@posteo.de gebeten. Treffpunkt ist jeweils vorm Schifffahrtsmuseum.

— Emma

Geh doch zu Momo!

Unabhängig voneinander haben wir, Marie und Laura, Momo von Michael Ende gelesen. Und wir  sind beide so inspiriert von dem erstmals 1973 erschienenen Buch, dass es einfach in den  Monthly Dreizeiler musste!

Eigentlich sollte es ein Fließtext werden. Aber in unserem Gespräch stellten wir fest, dass das Spannende an dem Buch ist, dass es uns verzwickte Fragen stellt und stellen lässt. Diese Fragen haben uns dazu angeregt, einmal anders über Zeit und Gesellschaft nachzudenken. Wir finden, dass die Menschheit ein Stückchen besser wäre, wenn sich jede*r mit diesen Fragen auseinandersetzen würde – also auch wenn jede*r Momo lesen würde. Wer keine Zeit hat Momo zu lesen: Wir haben hier mal unsere großen Fragen zusammengetragen — sozusagen als Inspiration. 

  1. Was ist Zeit, wo kommt Zeit her, wie fühlt sich Zeit an und wo geht Zeit hin, wenn unser Leben vorbei ist? 
  2. Was passiert mit der Zeit, die wir (glauben zu) sparen? Haben Menschen, die viel Zeit sparen, nicht letztlich weniger Zeit?
  3. Warum lassen wir uns von einem kleinen Ding, das tickt und auf dem Zahlen draufstehen, das ganze Leben diktieren? 
  4. Können wir uns Zeit nehmen? Und woher kommt die zusätzliche Zeit, die wir uns nehmen?
  5. Wie können wir jemals keine Zeit haben? 
  6. Können wir Zeit verschenken? 
  7. Können wir Zeit stehlen?
  8. Ist Reichtum nicht eigentlich Zeitreichtum? 
  9. Wie wäre es, wenn wir nie angefangen hätten Zeit zu berechnen?
  10. Können wir in einer Gesellschaft, die auf Zeitstrukturen basiert, funktionieren, wenn wir uns dem Zeitregime entziehen? Und was bedeutet in diesem Zusammenhang überhaupt funktionieren?

Wenn wir über Zeit nachdenken — den Umgang mit Zeit und was es bedeutet sich Zeit zu nehmen, Zeit zu haben oder eben nicht zu haben — dann denken wir eigentlich über das sagenumwobene Große Ganze nach.

In Momo geht es nicht einfach nur um das Mädchen Momo. Momo ist nicht nur ein Buch, sondern es ist ein Lebenskonzept der Entschleunigung. Und das in Zeiten in denen noch immer alles mehr, höher, schneller, weiter, größer werden muss. Solange wir nicht alle Verantwortung auf uns als Individuen nehmen können wir mit diesem Konzept gesellschaftliche Transformation bewirken. Umd darüber nachzudenken und uns damit auseinanderzusetzen brauchen wir letztendlich aber wieder vor allem eines: Zeit. 

— Marie und Laura

Mit dem Rad und einem Podcast durch Deutschland

Last but not least, mal wieder ein Podcast: Charly Siegl ist mit einem Bambusrad durch ganz Deutschland gefahren und hat mit unterschiedlichsten Menschen gesprochen, die die Gesellschaft verändern (wollen). – Auf die Idee kam er, weil er bald Großvater wird und sich plötzlich die Frage nach der Enkeltauglichkeit dieser Welt stellen musste.

Seine allerletzte Station war Flensburg und hier hat er mit Britta und mir über unseren Studiengang und über Graswurzelbewegungen gesprochen.

Emma, Charly und Britta (v.l.n.r.) bei Kaffee und Podcasten

Hört euch diese Folge und natürlich auch die ganzen vorangegangenen Folgen an und lasst euch inspirieren. Charly würde sich unheimlich über ein Nachfolgeprojekt freuen – hat er uns zum Abschluss verraten. Wenn jemand etwas ähnliches vorhat, dann ist jetzt der Zeitpunkt loszulegen.

— Emma

Posted by:transitioneer

Eine Antwort auf „Der Monthly Dreizeiler über die Klimawende von unten, das alternative Flensburg, eine philosophische Auseinandersetzung mit Zeit und einen Podcast mit Rad

  1. Vielen Dank auch von mir !
    D a s Problem /Thema dieses beginnenden Jahrhunderts auf den berühmten Punkt gebracht! Trotz der Komplexität und Breite der schon lange auf den Nägeln unserer Gesellschaft brennenden Problematik allgemein verständlich und für jeden nachvollziehbar umrissen.
    Weiter so! Muliplikation auf allen Ebenen und mit allen Mitteln ist gefragt und dringend notwendig.

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s