Ein Mal im Monat präsentieren wir im Monthly Dreizeiler, was uns in letzter Zeit inspiriert hat, uns geschockt hat oder auch augenöffnend war.

Monthly Rant – Eigentlich ist mir sowas Wurst, aber…

Kennt ihr das Gefühl, richtig entspannt durch den Supermarkt zu schlendern? Nee, ich auch nicht. Normalerweise bin ich gestresst oder schlicht überfordert mit dem Sortiment. Aber letzten Mittwoch habe ich eine Entdeckung gemacht: die Wiesenhof Bruzzzler Limited Edition „Reggae“ mit Chili-Hanföl. Was für ein wahllos zusammengewürfelter Haufen Wörter und was für ein riesen Haufen Mist. Die Verpackung ziert ein super swaggy aussehender Mann mit Rastas. Dazu gibt es einen super risky Werbe-Spot mit Atze Schröder. Darüber, dass es den überhaupt noch gibt, habe ich mich fast noch mehr gewundert, als über die Wurst.

Zwischen reduzierter Ware tut sich der Abgrund der Werbewelt auf.

Ich habe so viele Fragen. Was ist das? Und warum gibt es jedes Jahr eine Limited Edition Grill Wurst? Letztes Jahr war es die Sorte „Schaschlik“ anlässlich der Fußball-WM in Russland. Gibt es in Deutschland Wurst-Sammler*innen, in deren Tiefkühltruhen auch die früheren Editionen „Hot Safari“, „LadyKracher“ und „Döner Style“ zu finden sind? Ist das in diesen Zeiten vielleicht eine bessere Geldanlage als die Bank? Aber, und am meisten interessiert mich, wer eigentlich den Pitch gemacht hat. Wer hat die Idee einer Wurst mit Chili-Hanföl (???) in irgendeinem Meeting vorgeschlagen? Wessen PowerPoint war dabei so überzeugend? Also, ich meine, ich check Fleischessen sowieso nicht so richtig, aber wirklich – was geht denn da ab? Gar nicht erst anfangen möchte ich mit dem ganzen Thema kultureller Aneignung – damit ist die Rastafari-Religion ja ständig geschlagen. 

All das raste mir wild durch den Kopf und ebenso wild raste ich dabei zwischen den Regalen umher und vergaß völlig, das ich eigentlich einkaufen wollte. 

Natürlich ist es nicht das einzige Beispiel für die zunehmende Entfremdung gegenüber dem, was wir essen, aber es ist ein besonders prägnantes, in dem die Werbeindustrie ihre eigene Perversion nicht einmal mal mehr zu verstecken versucht, sondern plump auf den Trend um angeblich schmerzlindernde Hanföle aufspringt, der in den letzten Monaten aufgekommen ist. Mit bekifft sein hat das Ganze wenig zu tun, aber so lässt sich eine Pelle voller Fleisch einfach geiler verkaufen. 

Vielleicht ist es kein Zufall, dass ich diese Entdeckung im Regal für reduzierte Ware machte. Ist es ein Symbol dafür, dass sich auch andere Konsument*innen  zu wundern beginnen und es bald vorbei ist mit dem Erfindungswahn von völlig absurden Lebensmitteln?

Alles hat ein Ende (– nur die Wurst hat zwei).

– Emely

Festival: ein Wochenende ohne die nervige Zivilisation.

Zuhause ist es so ordentlich und sauber. Mülleimer auf, Müll rein, Mülleimer zu. Ein- oder mehrmals die Woche dann: Mülleimer auf, Tüte raus, Haustür auf, Mülleimer auf, Tüte rein, und so weiter. Aber yeah, dieses eine Wochenende im Jahr mal nicht! – Da kann ich einfach mal in meinem Campingstuhl sitzen, Bier trinken, Rauchen und einfach alles unter/hinter/neben mich werfen. Kein lästiges Aufstehen, kein Stress mehr.

Mit einem Bein im Müll. In den eigenen vier Wänden durch Müll zu waten, ist eher ungewöhnlich. Auf einem Festival wird das oft zur Norm.

Warum gehört genau das zum Festival-Feeling dazu? Klar, im Zelt herrscht immer etwas Unordnung, aber muss man wirklich im Müll hausen? Was hindert daran eine Mülltüte zu benutzen?

Die Antwort ist klar: Ich will an diesem Wochenende mal ausbrechen, Spaß haben und ohne Verantwortung sein. Der Müll wird ja schließlich später noch weggeräumt – von anderen. Die Kosten dafür tragen die anderen. Der Preis für das Ticket ist ja schon hoch. Und dafür habe ich bezahlt. Ich will dann auch was geboten bekommen.

Weiter gehts: Warum nicht auch ein paar Brüste?! Sprüche und Aufforderungen wie „Brüste für Bier“ gehören einfach dazu. Noch so ein Ding, im Alltag geht das nicht, aber auf einem Festival ist dumpfer Sexismus plötzlich okay. Ich will ja mal Spaß haben, warum dann also nicht auch das letzte bisschen Anstand und jegliche Moral über Bord werfen und „Boobs or Auschwitz“ fordern. Nach zehn Bier scheint das gar nicht mehr so skandalös.

Brüste für Bier

Im Supermarkt kann ich alles kaufen, was ich brauche und eben auch nicht brauche. Sodass ich bloß nicht auf die Vorzüge der Zivilisation verzichten muss, während ich selbst völlig unzivilisiert werde. – Ach ja, und weil ich da Mineralwasser in Plastikflaschen kaufen kann, brauche ich auch keine Wasserstellen. Einfach mal Nudeln in Mineralwasser kochen und sich damit waschen – peelt sogar ein bisschen die sonnenverbrannte Haut. Können wir uns ja leisten.
Das Beste aber ist, wenn ich mein Pfand dann doch gesammelt habe: Ich muss gar nicht selber zum Automaten gehen, sondern kann es direkt den vielen Pfandsammler*innen vor Ort geben. So dass die armen Leute auch noch was davon haben. Hey, auf einem Festival kann ich ja auch mal ein bisschen solidarisch sein! Die soziale Ungerechtigkeit, die vor mir steht und mir ins Gesicht schreit, ertränke ich einfach im nächsten Bier. An einem Wochenende im Jahr ist es doch okay, wenn‘s mir mal egal ist.

– Anna

C20 – ein Traumraum (aber nicht von SchönerWohnen!)

Die ALTE MU in Kiel ist fast schon eine Institution: In den vergangenen Jahren ging es in den ehemaligen Räumen der Muthesius Kunsthochschule um urbanen Widerstand gegen verkürzt gedachte Wohnraumpolitik, um eigeninitiative Gestaltung der Stadtgemeinschaft und um Platz zum Atmen für die kreative und nachhaltige Szene, die sich hier seit 2012 angesiedelt hat.

Wir selbst haben es, nachdem wir fast zwei Jahre immer wieder von dieser Oase der Wunder gehört haben, erst letztens dorthin geschafft und sind einer Meinung: Es lohnt sich! 

Emma klopft an die Tür des C20

Um die gemeinsame Nutzung der Räumlichkeiten für kreative Synergien zu nutzen und nicht nur neben-, sondern miteinander zu arbeiten und um die ALTE MU weiterzuentwickeln, ist inzwischen das Planungsbüro für urbane Transformation eingezogen. Das interdisziplinäre Team schreibt über sich selbst: “Die Basis unseres Engagements ist der Gedanke, Wissen und Fähigkeiten und gute Ideen zu teilen. Wir wollen Interaktion erzeugen, zur Nachahmung und Diskussion anregen.”

Angedockt an das Planungsbüro ist das Institut C20. Achtung, jetzt folgt Abschnitt unverhohlener Werbung für diesen Traumraum. Seit ich da war, um mir das mal anzusehen, bin ich einfach happy, dass es sowas überhaupt gibt und muss es deswegen auch teilen: Das C20 ist ein Ort, an dem sich Visionen entwickeln können. Einer, an dem Zukunftsmacher*innen und deren Ideen aufeinandertreffen. Ein Ort der gegenseitigen Inspiration und vielleicht sogar das Herz der neuen ALTEN MU. Hier stehen 16 projekt- und kooperationsbezogene Arbeitsplätze für Denker*innen und Macher*innen, für Lehrende und Lernende zur Verfügung. – In der ALTEN MU kann man in Zukunft nicht nur die Seele baumeln lassen, fair produzierte Kleinigkeiten kaufen und in eine bessere Zukunft blicken, sondern auch Abschlussarbeiten tippen, Reallaborant*in werden und Fusionen mit anderen Spielkindern eingehen. 

Ich werde ab September regelmäßig im C20 anzutreffen sein, um meine Masterthesis unter Dach und Fach und an die Männer* und Frauen* der Stadt Kiel zu bringen. Im Mittelpunkt steht nämlich auch der Bezug zur Praxis – äußerst verlockend klingt es, dass 100 Seiten Masterarbeit nicht in der Schublade verschwinden sollen. Über Mitstreiter*innen, die bereit für gegenseitiges Updaten und Kritisieren, für gemeinsames Eintreten in eine zukunftsfähige Version der Stadt, freue ich mich. Meldet euch bei Interesse an einem der Arbeitsplätze bei Marius. Er freut sich, so wie ich!

– Emma

Warum es gut ist, mal einen Podcast aufgenommen zu haben

Als wir die Mail von Nasti bekamen, in der sie uns fragte ob wir nicht Lust hätten mit ihr über transitioneer zu sprechen, waren wir erstmal skeptisch. Passen wir überhaupt in das Format von Busy and Bold? Eigentlich werden in diesem Podcast Frauen vorgestellt, die selbstständig arbeiten, ein eigenes Unternehmen gegründet haben oder auch sonst unkonventionelle Berufslaufbahnen nehmen. Und als solche sahen wir uns gar nicht. Wir verdienen ja noch nicht mal Geld.

Es war vielleicht ein klassischer Fall von divergierender Innen- und Außenwahrnehmung. transitioneer macht uns Spaß – alles ehrenamtlich, idealistisch, nebenher. Die Außenperspektive: Zwei junge Frauen verbinden ihre jeweiligen Expertisen im Medienmachen und Sozialwissenschaften zum Thema der sozial-ökologischen Transformation in einem Medium, das sich sehen lassen kann. Die Redaktion ist mittlerweile 10 Frauen und Männer stark. Wir haben sogar einen Preis gewonnen.

Als der Podcast online ging, war ich nervös und traute mich erst am Tag danach anzuhören, was wir da so mit Nasti gesprochen hatten. Die eigene Stimme zu hören ist etwas unangenehm, aber über das eigene Projekt zu sprechen, sodass theoretisch die ganze Welt es hören kann, ist eine ganz andere Hausnummer. Als ich dann raus aus meiner Komfortzone (#bequemisover) war, hörte ich, dass wir da was ziemlich Cooles machen.

Und genau über diese Themen sprechen wir im Podcast mit Nasti, nämlich dass wir anfangen müssen, Arbeit anders zu gestalten und wertzuschätzen was wir tun. Nasti hat es im Titel unserer gemeinsamen Folge schön zusammengefasst: Warum es wichtig ist beruflich diverser aufgestellt zu sein. Diese Erkenntnis finde ich ganz wertvoll. Unser Projekt mal von außen betrachtet zu sehen, bringt es für uns in Resonanz und wir haben ganz nebenbei mal wieder was gelernt.

Wenn ihr also hören wollt, wie das mit transitioneer alles so gewachsen ist, dann präsentieren wir hiermit stolz unser Interview mit Nasti von Busy and Bold:

Posted by:transitioneer

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