Ein Mal im Monat präsentieren wir im Monthly Dreizeiler, was uns in letzter Zeit inspiriert hat, oder sogar augenöffnend war. Damit unser Blick dabei nicht von gedanklichen Scheuklappen eingeengt wird, sondern immer schön offen bleibt, gibt es hier auch Tipps von unseren Co-Autor*innen. Diesmal von Lisa.

Die Gegenwart betrachtet:
1. Anti-Rassismus-Konferenz im Landtage SH am 11. Februar 2019

Wir befinden uns im Jahr 2019, in Deutschland: Wir können den Beruf wählen, den wir wollen. Wir können mit den Menschen zusammenleben, mit denen wir wollen. Wir können in das Land reisen, was uns schon immer fasziniert hat. Kurz:  wir können sein, wer wir wollen.

So sollte es im Jahr 2019 sein. Tatsächlich aber leben  in einer Realität, in der der Vorsitzende des Zentralrats der Juden vergangenes Jahr empfehlen musste, in Großstädten auf das Tragen der Kippa zu verzichten, um nicht als Jude erkannt zu werden. Wir leben in einer Realität, in der truefruits, ein großer Getränkehersteller, rassistische Werbung macht und Kritik lächerlich findet.

Das sind nur zwei prominente Beispiele von unzähligen, weshalb das Thema Rassismus dringend auf der politischen Agenda bleiben muss.  Aminata Touré hat einen Anfang gemacht, mit der Organisation der ersten Anti-Rassismus-Konferenz der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im schleswig-holsteinischen Landtag.

Der große Andrang für die Konferenz zeigte, dass es Redebedarf gibt. Über 100 Menschen trafen sich am  11. Februar , um über Rassismus gegen People of colour, über Rassismus gegen Sinti und Roma und über antimuslimischen Rassismus zu sprechen.

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Die Podiumsdiskussion im Landtag mit Samy Deluxe, Yasemin M’Bareck & Hajdi Barz. Moderiert hat Aminata Touré.

Menschen mit rassistischen Diskriminierungserfahrungen teilten ihre persönlichen Erlebnisse und mir als weißer Frau mit deutschem Pass wurde einmal mehr vor Augen geführt, was mir in meinem eigenen Alltag selbst nicht widerfährt: Rassistische Angriffe finden in unserer Gesellschaft immer noch ständig statt. Und: Die unterschiedlichen Rassismen sind im Denken vieler tief verankert.

Da geht es um offenen Rassismus, der bewusst verletzen und ausgrenzen will. Und da geht es um Strukturen, in denen nicht-weiße Menschen, Muslim*innen und Sinti und Roma anders behandelt oder angesprochen werden und in allen Bereichen des Lebens ungleiche Chancen haben. So musste auch ich über meine Kindheit nachdenken, in der ich mich zu dem einen oder anderen Faschingsfest als Zigeunerin oder Indianerin verkleidet habe, ohne zu verstehen, dass sich hinter diesen Kostüme unbewusst rassistisches Tun verbirgt. Die dahinterstehenden Kulturen der Sinti und Roma, sowie der Native Americans werden romantisiert und vereinheitlicht dargestellt, so wie sie eben von Weißen erdacht werden.

Die Workshops konnten viel Aufklärungsarbeit leisten und Betroffenen hoffentlich den nötigen Raum geben, um ihre Erlebnisse zu teilen. Zusätzlich wurden Strategien entwickelt, um Rassismus im Alltag entschlossen gegenüberzutreten – auf der Straße, im Sportverein, in sozialen Medien oder in der Familie.

Abends führte Aminata Touré die Inhalte der Workshops in einer Podiumsdiskussion zusammen. Als Gäste sprachen der Rapper Samy Deluxe, die Bloggerin Yasmine M’Barek und Hajdi Barz, Mitglied der IniRromnja.

Die Ergebnisse des Tages werden in den geplanten Landesaktionsplan gegen Rassismus einfließen, den die Landesregierung in ihren Koalitionsvertrag von 2017 festgeschrieben hat.

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Ausgemachtes Ziel ist, dass alle Menschen „unabhängig von ihrer Hautfarbe, ethnischen oder religiösen Herkunft diskriminierungsfrei leben können“ (Koalitionsvertrag 2017).

Wenn Ihr mehr über antimuslimischen Rassismus erfahren wollt, könnt Ihr der Bloggerin Yasmine M’Barek über die sozialen Medien oder auf ihrem Blog folgen (ceremonialsofasavage, www.yasminembarek.com). – Lisa

 

ayran hope sticht Tattoos gegen Diskriminierung

Das Problem mit den Neonazis ist ja unter anderem, dass man sie gar nicht unbedingt erkennt. Spätestens seit sich die Identitäre Bewegung (IB) selbst als hippe Jugendbewegung tarnt, ist auf die vermeintlichen Erkennungsmerkmale Springerstiefel, Glatze und Bomberjacke kein Verlass mehr.
Als interne Erkennungszeichen fungieren nicht selten bestimmte Tattoos: Das Hakenkreuz beispielsweise ist als Bild verboten – als Schriftzug findet man es aber auf so mancher Rassist*innenhaut. Zusätzlich gibt es schwarze Sonnen, verschiedene Runenfomen oder Zahnräder.

Das Kollektiv ayran hope schlägt die Nazis mit ihren eigenen Mitteln und macht die Haut zum Ausgangspunkt von Solidarität und Diversität. Schon der Name ist dabei ein Spiel: Der Nazischriftzug Aryan Hope wird in die Hoffnung auf das Joghurtgetränk verkehrt. Neben dem Ayranbecher findet man auf der Website von ayran hope weitere Tattoomotive, die bewusst das darstellen, wovor die Nazis Angst haben. Das fängt eben bei Baklava und türkischem Tee an, reicht über Burkas, bis hin zu arabischen Schriftzügen.

Die Tattoos werden bisher von Künstlern in Leipzig und Dresden entworfen und gestochen, können aber auch außerhalb Sachsens angefordert werden. Dabei kommen 50% der Einnahmen lokalen Vereinen zugute, die sich dem Thema Diskriminierung widmen. Tut also Gutes und lasst euch stechen!

Bildschirmfoto 2019-03-01 um 17.16.10Alle Motive kann man übrigens auch auf Instagram sehen. Da habe ich auch die Bilder her. – Emma

 

In die Vergangenheit geblickt:
„Rumstadt Flensburg“

Manchmal möchte ich einen Text schreiben, dabei ist schon alles viel besser formuliert worden. In der Theaterwerkstatt Pilkentafel gibt es am Mittwoch den 06.März, ab 20Uhr eine performative Vorstellung: Es geht um Flensburg und das Selbstverständnis einer Stadt, die durch koloniale Ausbeutung groß geworden ist. Auf der Seite der Pilkentafel gibt es folgende Beschreibung des Abends:

 

DSC04004
Das Foto letztes Jahr bei der Flensburger Rumregatta – auch hier fehlt der Bezug zur Kolonialgeschichte nicht

“Wie aktuell ist unsere Vergangenheit?

Rumstadt Flensburg ist eine Selbstbezeichnung, die uns immer wieder in Erzählungen  über die Stadt begegnet. Dabei blickt Flensburg als Hafenstadt auf eine lange Geschichte der Verflechtungen mit anderen Orten und Menschen, wie die (kolonialen) Verbindungen mit Dänemark und den Jungferninseln St. Thomas, St. John und St. Croix. Wir fragen: Was macht diese Erzählungen lebendig? Welche Rolle spielen sie in der Beschreibung Flensburgs heute? Was für Perspektiven auf Geschichte(n) finden sich darin wieder und welche Leerstellen werden deutlich?  Und nicht zuletzt: Was für Interventionen und Perspektivwechsel haben bereits stattgefunden und welche Rolle spielen die unterschiedlichen Geschichten für Flensburgs Zukunft?

Marie Marwege und Nelo Schmalen studieren Transformationsstudien an der EUF und befragen als Zugezogene aus einer weißen Perspektive diese Stadt.

Sie sind mit verschiedenen Flensburger*innen ins Gespräch gekommen und geben an diesem Abend auf performative Art und Weise einen Einblick in das Gefundene, sowie Raum für weiterführende Gespräche.”

In den beiden Tagen danach schließt sich an der Europa-Universität eine Tagung mit dem Titel „Kolonialität in deutschen Hafenstädten“ an, in der auch Vertreter*innen anderer Hafenstädte Inputs geben werden. – Emma

In die Zukunft sehen:
Was ist eigentlich dieses yooweedoo?

Einige werden es schon wissen, Emma und ich haben transitioneer beim yooweedoo Ideenwettbewerb eingereicht.

Was das genau ist? Das Ziel von yooweedoo ist Empowerment für nachhaltige Entwicklung:

Wir denken, dass alle jungen Menschen lernen sollten, wie sie die Welt mit eigenen Projekten verändern können. Wir wollen jungen Menschen die Erfahrung ermöglichen, dass Sie die Welt mit eigenen Projekten verändern können.

so beschreibt die Kieler Initiative selbst ihre Ziele.

Und das macht das Team von yooweedoo mit verschiedenen Programmen und Partner*innen: Es gibt das sogenannte Changemaker-Programm, Präsenzkurse an der Uni, Online-Kurse und weitere zukunftsweisende Programme. Zusätzlich unterstützt die Community mit Inputs und Inspirationen.

Der Ideenwettbewerb, bei dem wir uns beworben haben, ermöglicht es mit bis zu 2000€, Coaching und Zugang zu dem Netzwerk der bereits geförderten Projekte unterstützt zu werden. In einer Laufzeit von sechs Monaten, soll das Projekt dann in die Tat umgesetzt werden. Die Krönung – finden wir jedenfalls – ist das Summercamp auf Sylt. Dort treffen sich alle Projektinitiator*innen, um sich auszutauschen, voneinander zu lernen und intensiv weiterzuarbeiten. Am Strand! Was will man mehr? Den 1000€ Publikumspreis gewinnen! Wir liegen leider nur auf Platz 15, aber wenn ihr dem Link folgt, für uns abstimmt und ihn an fünf eurer Freund*innen weiterleitet, haben wir noch eine Chance! In jedem Fall ist es spannend, sich anzusehen, welche anderen tollen Projekte es gibt! Holt euch Inspiration! – Laura

Mama, ich bin jetzt freie*r Redakteur*in beim transitioneer!

Im letzten Jahr haben wir viel, mal mehr und mal weniger intensiv, gearbeitet. Nur den kleinsten Teil davon konntet ihr sehen – in unseren Artikel Aus der Redaktion. Es geht in der Anfangsphase, in der wir uns befinden, vorallem darum, Strukturen zu schaffen, das Ziel und die Mission klar zu kriegen. Mittlerweile sind wir aber nun so weit, dass wir euch einladen wollen, Teil des Teams von transitioneer zu werden.

Gerade heute, während der Redaktionssitzung wurde uns dabei bewusst, wie homogen unsere Autor*innen bisher sind und wie divers wir eigentlich werden wollen! Gerade, wenn es um die Themen Rassismus, Sexismus und Diskriminierungen jeder Art geht, ist es wichtig, dass verschiedene Menschen, mit verschiedenen Erfahrungen, Gehör finden. Das wissen wir und wollen es deswegen nicht unerwähnt lassen, vor allem bei einem Monthly Dreizeiler, wie diesem, in dem es viel um rassistische Diskriminierung ging.

Grundsätzlich gilt für alle: Wer von euch Lust hat, zu recherchieren, wer schreiben (lernen) will oder illustrieren kann, wer Fotos oder Videos macht und, wer mit uns gesellschaftlichen Wandel erforschen, diskutieren und machen will: Am 02. April um 18 Uhr gehts los!

Wenn ihr selbst keine Lust habt, aber eine Person kennt, die Spaß daran hätte mitzumachen, leitet unsere Einladung weiter. Nähere Infos zum Programm und Ort des Kickoffs folgen bald! Bleibt gespannt. Wir sind es.  

 

Dieser Quatsch schließt unseren  monatlichen Dreizeiler vom Februar ab. Fehlt nur noch die wichtigste Frage: Was habt ihr eigentlich diesen Monat so entdeckt und für gut befunden? Sharing is caring! Lasst es uns wissen!

 



 

 



Posted by:transitioneer

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