Liebe Schülerinnen und Schüler, liebe Alle,

die ihr seit Wochen jeden Freitag gegen den Klimawandel auf die Straße geht. „Ihr gehört doch auf die Schulbank!“, sagen die Einen. „Das ist politische Bildung“, die Anderen. Ihr habt für ein ganz schönes Politikum gesorgt. Mein Opa sagt: „Die sollen doch bitte Samstag auf die Straße gehen. Freitag gehören sie ins Klassenzimmer.“ Ihr sagt: „Nö. Dann können wir es ja gleich lassen.“ Peter Altmaier sagt: „Scheiß Idee“ zu seinem Referenten, als er vor euch steht und ausgebuht wird.

Und ich möchte sagen:

Danke, dass ihr dafür sorgt, dass diese Menschen das sagen! Nachdem wir vier Jahre lang am Abendbrottisch über Migration gesprochen haben, diskutieren wir endlich darüber, warum es bestimmte Migration überhaupt gibt. Schätzungen gehen davon aus, dass 2050 150 Mio. Menschen wegen der Klimakrise zur Flucht gezwungen sein werden.

Danke, dass wir nicht mehr darüber sprechen, ob es den Klimawandel gibt, sondern darüber, ob es legitim ist, wegen der Klimakrise und einer Politik, die zu wenig tut, in den Schulstreik zu treten.

Ihr wurdet relativ schnell Zielscheibe von Troll- und Hetzfabriken. Ganz besonders die Gesichter eurer Bewegung. Greta Thunberg und Luisa Neubauer zum Beispiel. Unter aller Würde wurde hier agiert. Danke Luisa und Greta, dass ihr darüber steht. Und danke an alle, die ihr hinter den beiden steht.

Von links nach rechts: Paul, Darius, Alex, Finn und Steffen auf der Fridays for Future Demo am 22. Februar 2019 in Flensburg

Interessant ist jedoch eine neue Diskussion, die durch die Verunglimpfungen auftaucht. Eine, die lange nicht besonders breit geführt wurde. Die Diskussion nämlich, was wir jetzt ganz konkret gegen die voranschreitende Zerstörung unseres Planeten tun können. Die Diskussion bewegt sich dabei zwischen nötigen, strukturellen Veränderungen und individuellem, menschlichen Verhalten.

Als der Schauspieler Hannes Jaenicke bei hart aber fair über seine Weltretter-Ambitionen gegen Umweltverschmutzung und Plastik erzählt, muss er sich auch die Frage stellen lassen, wie er eigentlich zu seinem Zweitwohnsitz an der amerikanischen Westküste reist. Und ob der 300ste Dokumentarfilm über den Regenwald wirklich nötig ist, für den Jaenecke und seine Filmcrew nach Borneo flogen.

Auch Luisa hat Weltretter-Ambitionen. Sie sagt: Die Strukturen müssen sich ändern. Recht hat sie. Kerosin wird in Deutschland nicht besteuert und von Hamburg nach München ist es mit dem Flugzeug oft günstiger als mit der Bahn. So wie Hannes Jaenicke ist sie keine Heilige. Wenn sie mit Bildern ihrer Fernreisen konfrontiert wird, reicht es sicher nicht, auf falsche Strukturen hinzuweisen. Vergangene ökologisch Fehltritte kann man im Nachhinein nicht rückgängig machen, das ist klar. Klar ist aber auch, dass individuelles Handeln ebenfalls einen Teil des Klimaschutzes ausmacht.

Von links nach rechts: Jytte-Maire, Dana, Anne-Merle & Lale auf der Fridays for Future Demo in Flensburg.

So feindselig und respektlos die Anfeindungen gegen Luisa sind, sie stoßen trotzdem einen wichtigen Diskurs an, der unangenehm ist. Weil er uns alle in unserem täglichen Handeln in Frage stellt. Wenn wir konsumieren, wenn wir reisen, wenn wir essen. Es geht endlich nicht mehr um Obergrenzen, sondern um den Klimawandel. Und bei diesem sogar um konstruktive Lösungsvorschläge und die besten Argumente. Darum, ob es reicht, mit alten Strukturen zu brechen oder ob noch mehr dazu gehört: unser ganz persönlicher Alltag.

Wer hingegen immer noch gegen die engagierten Jugendlichen hetzt oder die Klimakrise leugnet, bleibt mit seinen Vorwürfen argumentlos im Gestern stecken.

In den letzten Wochen ist eine Diskursverschiebung zu beobachten. Besonders ist in diesem Fall, wer den Diskurs vorgibt: Das seid ihr alle, die ihr jeden Freitag auf die Straße geht. Danke Fridays for Future, dass wir endlich über Dinge sprechen, die lange versäumt wurden. Dass wir endlich diskutieren, was sich verändern muss. #worüberwirsprechen

Wieder von links nach rechts: Gery, Leonie, Maie und Nantke, ebenfalls auf der Demo in Flensburg am 22. Februar 2019.
Alle Fotos zum Artikel sind auf der Fridays for Future Demonstration in Flensburg am 22. Feburar 2019 entstanden (Credits: Laura und Emma). Auf dem Titelbild seht ihr von links nach rechts und von hinten nach vorne Elias, Paula, Laetitia, Leander, Klaus, Jade, Paula, Franziska und Jule. Merci fürs Posieren!
Posted by:Philipp

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